Dana Lüke, Medizinische Fußpflege

Fußbadbar

Das hier ist unsere Fußbad-Bar, zuerst machen wir immer ein Fußbad. Momentan haben wir sieben Düfte zur Auswahl. Schokolade ist aus, das wird im Herbst ganz gern genommen, und zum Winter hin. Demnächst wird die Fußbad-Bar noch um fünf Düfte erweitert. Irgendwann soll die Kundin eine Art Speisekarte bekommen, wie im Restaurant. Das gibt es ja manchmal, zum Beispiel beim Brunch, dass man einen Zettel bekommt, auf dem man ankreuzt, was man möchte: Avocado, Krabbensalat, Tomate, was weiß ich. So wird das bei uns auch sein. Dann haben wir ein Tablett, auf dem dein Menü zusammengestellt wird. Ein kleines Schälchen mit dem Fußbad, das du angekreuzt hast, dann das Massageöl oder die Creme, die du dir ausgesucht hast, das Peeling, da gibt es eins mit Meersalz und eins mit Rohrzucker oder mit verschiedenen ätherischen Ölen, und der Farblack.

Schüssel für Fußbad

Im Moment wird uns der Laden zu klein, wir wollen demnächst umziehen und uns vergrößern. Der Charakter der Räume und der Einrichtung bleibt, aber wir wollen ein, zwei separate Räume haben für Wellnessbehandlungen. Wenn in einem Raum die normale Fußpflege mit Basislack stattfindet, dann ist es da laut, da wird geschwatzt und gelacht, und wenn auf dem anderen Stuhl jemand eine Massage bekommt, dann nervt das. Da will die Kundin zwanzig Minuten entspannen und ihre Ruhe. Und es gibt auch Kundinnen, die mögen es nicht, wenn jemand neben ihnen sitzt, für die ist Fußpflege sehr privat und intim. Mit diesen Kundinnen kann man sich dann auch zurückziehen.

Silbernes Teeservice

Mit diesen kleinen Schleifsteinchen versiegelt man beim Feilen auch gleich die Nagelplatten, sodass sie wieder miteinander verschmelzen. Ein Nagel besteht aus drei Schichten, die miteinander verklebt sind. Wenn man den Nagel schneidet oder abknipst, dann sind diese drei Schichten offen. Unter dem Mikroskop kann man da Grate und sowas wie Fransen sehen. Wenn man mit diesem Schleifstein drübergeht, dann verschließen sie sich wieder, und dann kann kein Putzmittel, kein Duschgel oder womit man sonst so zu tun hat, eindringen. Denn dadurch splittern die Nägel oder werden trocken und brüchig oder kriegen weiße Flecken. Deswegen ist das Versiegeln so wichtig. Wenn man regelmäßig zur Fußpflege geht, werden die Nägel auch gesünder, weil man nicht mehr knipst, sondern der Nagel gefeilt wird. Das Zellwachstum, das Nagelwachstum wird angeregt, die Nägel regenerieren sich schneller und werden ganz schnell wieder gesund. Viele Leute wundern sich, wenn sie regelmäßig zur Fußpflege gehen, warum die Nägel so schnell wachsen. Das liegt nicht daran, dass wir die Nägel besprechen oder so, damit wir möglichst viel zu tun haben, sondern es liegt in der Natur der Sache. Weil das Feilen für die Nägel gesund ist.
Es ist natürlich wichtig, mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und Augenmaß da ranzugehen. Wenn man eher ein Grobmotoriker ist, dann ist der Beruf nicht gut für einen geeignet. Denn an den Füßen hängt ja ein Mensch.

Gerät

Ich ekle mich nicht. Da bin ich wie eine Dermatologin, die mit Haut- und Geschlechtskrankheiten zu tun hat, oder wie eine Zahnärztin oder Gynäkologin, Altenpflegerin, es gibt ja viele Berufe, die am Menschen arbeiten und die nicht immer angenehm sind. Aber es ist halt der Beruf, man empfindet das nicht als eklig. Na gut, manchmal. Aber dafür machen wir ja vorher das Fußbad, dann ist es nicht mehr schlimm. Es kommt wirklich selten vor, dass ich mich ekle, vielleicht dreimal im Jahr. Ein einziges Mal habe ich eine Kundin weggeschickt. Da habe ich gedacht, ich muss brechen. Die Dame hatte bestimmt zwanzig Jahre lang einen Fuß- und einen Nagelpilz gezüchtet, die Füße sahen so schlimm aus, das habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich habe zu ihr gesagt, es tut mir echt leid, aber gehen Sie bitte erst mal zum Arzt. Danach können Sie gern wiederkommen. Das war für mich blöd in dem Moment, denn ich hatte Verdienstausfall, aber ich konnte nicht. Ich wusste auch nicht, was ich machen soll. Die Dame ist natürlich nicht wiedergekommen.
Aber wenn die Füße mal nicht so supergepflegt sind, das ist nicht schlimm, dazu sind wir ja da. Und wenn die Kundin im Sommer direkt von der Arbeit hierher kommt, nachdem sie den ganzen Tag in Pumps gesteckt hat, dann will sie natürlich auch auf jeden Fall ein Fußbad. Und da ist dann überhaupt nichts eklig, die Füße sind ja gewaschen.

Knipser

Ich habe die Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht, das heißt, theoretisch könnte ich auch Gesichter behandeln. Aber das mag ich nicht, das ist mir viel zu langweilig.
Ich glaube, es liegt am Vorher-Nachher-Effekt. Dass du siehst, was du getan hast. Ich habe dann einen richtigen Werkstolz. Ehrlich! Die Füße sehen dann aus wie ein kleines Kunstwerk. Gerade, wenn sie Lack draufhaben. Bei Gesichtern ist der Vorher-Nachher-Effekt gar nicht so groß. Wenn die Kundin aus der Kosmetik rausgeht, sieht sie erst mal aus wie durchgenudelt. Und bei den Füßen hält es auch viel länger an, du siehst wirklich vier Wochen lang, dass deine Füße einfach schön sind.

Ich glätte jetzt die Nagelränder ein bisschen – wenn du eine Strumpfhose anziehst, dass der Rand schön glatt ist und da keine Grate sind. Und dann komme ich mit dieser kleinen Ziegenhaarbürste, damit kann man den Nagelstaub und so lose Partikel, die man durchs Fräsen abgemacht hat, ein bisschen wegbürsten.

Ziegenhaarbürste

Ich mache das echt gerne, mir macht das Spaß. Ich mag es, mit Menschen zusammen zu sein, zu reden, ihnen was Gutes zu tun, Frauen schöner zu machen, ihnen Selbstbewusstsein zu geben, das finde ich sehr schön. Ich könnte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen und in einen Computer tippen.
Und dann ist es auch so, dass man hinterher auf die Füße guckt und selbst sieht: das habe ich gut gemacht. Es sieht schön aus. Ich glaube, diesen Werkstolz haben nur Menschen, die bei ihrer Arbeit etwas mit den Händen schaffen. Das kann auch ein Tischler sein oder ein Bäcker. Alles, wo am Ende ein Produkt dabei herauskommt. Bei uns ist es eben der schöne Fuß.

Dana Lüke

Ich habe Kundinnen, die sind oftmals vierzig, fünfundvierzig, die haben im Sommer nie offene Schuhe getragen, weil sie ihre Füße hässlich fanden. Und jetzt kommen sie alle paar Wochen zur Fußpflege und tragen nach vierzig Jahren endlich offene Schuhe. Die haben dann wieder das Selbstbewusstsein dafür.

Nagellack

Männer kommen vielleicht zehn Prozent. Fußpflege wird ja immer noch ein bisschen verkannt, das hat so ein etwas muffiges Image. Man denkt an Diabetikerfüße oder ganz schlimme Füße. Dabei ist es wirklich ein schöner Handwerksberuf! Wir arbeiten in einer schönen Umgebung, wir haben mit netten Menschen zu tun, du musst ein gutes Auge für Formen und Farben haben … es ist wie ein kleines Kunsthandwerk.

Dana Lüke

Glitzerbildchen bekommst du bei mir nicht, auf gar keinen Fall! Wir machen hier schöne, klassische Pediküre für elegante, selbstbewusste Frauen. Glitzerbildchen und Steinchen und Gelkram und sowas gibt’s nicht. Bei Bedarf machen wir eine Nagelverstärkung, wenn ein Stück rausgebrochen ist oder so, dann wird das mit Acryl aufgefüllt, damit der Nagel wieder geschlossen ist. Aber das ist dann eine Notwendigkeit. Ansonsten sind wir hier alle eher so Naturkinder aus der Fraktion „schlicht besticht“.

Nagellack

Jetzt mache ich alles schön sauber, auch unterm Nagel. Das ist das, was der Kunde selbst nicht kann, dieses Ausreinigen in den Seiten, da sammelt sich ganz viel an. Das hier ist so ein ähnliches Gerät wie beim Zahnarzt, damit komme ich wunderbar hier drunter und kann Nagelhaut und Hornhaut und was hier so drinsitzt rausholen. Das ist auch nichts Ekliges, das Einzige, was hier druntersteckt, sind Zellreste, das ist menschliches Gewebe, und vielleicht mal ein Sockenfussel oder Duschgel oder so. Nichts Schlimmes. Fusseln sammeln sich ja nicht nur bei Männern im Bauchnabel.
Hier ist jetzt noch ein bisschen Nagelhaut, die knipse ich ganz vorsichtig ab. Das ist jetzt aber rein kosmetisch.

Wasserkanne

Wenn jemand sehr viel Hornhaut hat, dann müssen wir auch schon mal schneiden. Da arbeiten wir dann mit dem Skalpell. Damit schneiden wir die Hornhaut weg, aber wirklich nur, wenn es zwingend erforderlich ist. Denn je mehr man wegschneidet, desto dicker wächst es auch nach. Das ist hauptsächlich Veranlagung, je trockener die Haut ist, desto schwerer wird sie abgeschilfert. Zum Teil liegt es auch am Gewicht, wenn die Füße einfach mehr tragen müssen. Und Sportler! Wenn jemand sehr viel läuft oder wandert und dann noch so eine Veranlagung hat, dann macht die Haut sich dick.

Pretty Feet Spa Ladenschild

Hände behandle ich auch manchmal, aber nur unter Protest. Das mache ich einfach nicht so gerne. Füße sind mein Schwerpunkt, und da mache ich auch am liebsten. Hände sind ganz anders, die Nägel sind dünner, feiner, man muss noch vorsichtiger sein, noch vigelinscher, da ist die Behandlung sehr empfindlich und aufwändig. Und der Werkstolz ist auch nicht größer.
Hände machen ja auch ganz viele. Aber Füße, da gibt es wenige, die das gerne machen. Und auch gut machen.

Dana Lüke

»Ich würde nichts anderes machen wollen. Wenn ich etwas anderes machen müsste, würde ich Hautärztin werden. Wobei mir da der kreative Part fehlen würde. Aber Hautärztin ist auch ein toller Beruf.«

Webseite: Pretty Feet Spa

9 Kommentare

  1. Wieder ein ganz tolle Vorstellung! Ich habe eine Menge gelernt und überlege mir jetzt, ob ich nicht auch zur Fußpflege gehe. Ich habe so richtig Lust darauf bekommen!

  2. Ach wie schön, das Pretty Feet Spa. Ich bin da seit Jahren Kundin, schön alle 4-6 Wochen. Davor war ich zur Fusspflege nie irgendwo mehr als ein Mal. Dana liebt ihren Beruf, das merkt man auch wieder in eurem Artikel.

  3. Sehr spannend! Was mich am meisten interessiert: Kitzelt das nicht fürchterlich?? Dazu muss man wissen, dass ich so unfassbar kitzlig an den Füßen bin, dass ich noch nichtmal eine Fußreflexzonenmassage aushalte (die ja nicht gerade sanft ist). Ich musste schon beim Lesen hektisch mit den Füßen scharren und kichern. Also: Könnte ich das wohl aushalten?

    • Na logisch. Also, es kitzelt dann und wann schon ein bisschen, aber das macht ja nichts. Ansonsten ist das alles so entspannend, da kitzelt nichts mehr. Außerdem findet ja das meiste ganz vorne an den Zehennägeln statt, da kitzelt es eh nicht so.
      Der Hammer, wenn man kitzelig ist, ist die Fischpediküre, da hatte ich mal den Lachanfall des Jahres.

  4. Oh, da will ich gleich hin, so ein verführerischer Artikel! Leider am falschen Ende der Republik.

  5. Gehe seit ca. 10 Jahren hier in Landshut zur Fusspflege. Alles Dargestellte und den »Werkstolz« darf ich auch erleben. Möchte es nicht missen und bedanke mich für diesen Bericht welcher mich im »Kunde sein « bestätigt.

  6. Wow, zu jemanden mit so einer ausgeprägten Passion und Stolz auf den Beruf möchte ich auch gerne mal gehen.

    Tatsächlich stimmt es, das mit dem Vorurteil. Habe bzw. hatte ich nämlich auch.

    Fußpflege? Mh, ja, bestimmt wichtig. So für Krankheiten und so. Aber für mich? Dazu als Mann? – Abseits davon sehen die Fußpflgepraxen, die ich so kenne auch so aus: miefig. Mit gehäkelten Gardinen, changierend zwischen verblichen und vergilbt. Mit Wollmäusen auf dem Fensterbrett. Und Word-Art-Öffnungszeiten-Ausdruck. – Da gehe ich sicherheitshalber schon nicht rein.

    Zu Dana Lüke würde ich gerne gehen. Bloß liegt Hamburg nun nicht um die Ecke. Wenn ich dort allerdings ankomme, lohnt es sich. Nach knapp 500km Strecke.

  7. Guten Morgen,

    ich gönne mir seit einem Jahr ungefähr alle 6 Wochen eine Fußpflege – und ich finde es weder überflüssig noch übertrieben sondern finde meine Füße einfach schöner danach, was ich vor allem im Sommer sehr schätze. Überflüssig finde ich Maniküre, weil ich künstliche Nägel sowas von hässlich finde und den Rest auch alleine kann. Aber Füße, nein, die bekomme ich alleine nicht so schön hin. Allerdings ist meine Fußpflegepraxis nicht so heimelig wie die von Frau Lüke und da ich im Süden der Republik wohne, werde ich wohl auch nie in den Genuss kommen, schade!

    Tolle Reportage!

    Gruß
    Birgit

  8. Wunderschönes Portrait, vielen Dank! Als ich euer Projekt kennenlernte, war es tatsächlich auch meine Fußpflegerin, die mir als erste Kandidatin einfiel: Weil sie die Freude an ihrem Beruf so deutlich ausstrahlt wie sonst fast niemand, den ich erlebe.

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